Eine 25-jährige Erfolgsgeschichte  



Mit einem bunten Programm feierten die Leichtathleten der Turn- und Sportfreunde (TSF) Welzheim am Samstagabend ihr Jubiläum in der sehr gut gefüllten Justinus-Kerner-Halle. Nach den sportlichen Beiträgen der Trainingsgruppen und den Grußworten forderte Dieter Baumann, Olympiasieger und Kabarettist, die Lachmuskeln der Zuschauer heraus.

 

Dass die Leichtathleten in Welzheim inzwischen eine feste Größe sind, war in den letzten Jahren kaum einem entgangen. Petra Schütte, Vorstandsvorsitzende des Hauptvereins, bezeichnete die Entwicklung der Abteilung als eine Erfolgsgeschichte und bemerkte zudem die Einheit und Geschlossenheit der Leichtathleten.

 

Waltraud Loos das Herz der Abteilung

 

Den größten Anteil an dieser Entwicklung schreibt sie dem "Herz der Abteilung", nämlich Waltraud Loos zu. Seit 1989 ist Waltraud Loos als Übungsleiterin und Ehrenamtliche sehr aktiv und hat in dieser Zeit tausenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ihre Sportart nähergebracht.

Bürgermeister Bernlöhr zeigte sich besonders großzügig an diesem Abend. Da der Jubiläumsscheck der Stadt (5 € pro Jubiläumsjahr) seiner Meinung nach für die Leistungen der Abteilung zu gering ausfällt, wird er dem nächsten Talent einen Startdress der Stadt Welzheim spendieren.

Kleine Showeinlagen der Trainingsgruppen sorgten für einen abwechslungsreichen Abend: Die Kleinsten düsten auf Rollbrettern durchs Publikum, Jugendliche machten Staffel- und Fackelläufe oder zeigten leichtathletische Disziplinen untermalt mit fetziger Musik. Diese machten die Erwachsenen- und Seniorengruppe selbst, was auch Abteilungsleiter Hermann Loos zum Anlass nahm ganz gegen seine Art mal richtig auf die Pauke zu hauen. Er führte durchs Programm und brachte seinen Stolz zum Ausdruck über das, was in den Jahren geschaffen, aber auch was für diesen Abend auf die Beine gestellt wurde. Und dann kam noch die bereits von Petra Schütte angesprochene Rudelbildung, der auch der Landtagsabgeordnete Gernot Gruber, Mitglied der Abteilung, verfallen ist, nämlich dem Lauftreff. Wie in der Freiluft rannten Massen an Menschen, alle mit Stirnlampe, Regenjacke oder Getränkegürtel bewaffnet, durch die Halle. Nicht umsonst hob Fred Eberle, Präsidiumsmitglied des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), die Disziplin hervor, die es für die Leichtathletik braucht. Mit ihrer Exaktheit in hundertstel Sekunden und Zentimetern ist sie natürlich ein Sport, der Leistung und Konkurrenz beinhaltet. Als Kenner der Abteilung sieht er aber auch die Leichtathletik als Teamsport. Besonders beeindruckt ihn bei den TSF-Leichtathleten das soziale Engagement, das neben dem Breiten- und Leistungssport einen festen Platz inne hat. Die Kooperationen mit Schulen haben in Welzheim Tradition. Zudem unterstützt die Abteilung mit dem Spendenlauf oder dem Sport- und Spielfest behinderte Menschen und setzt das Thema Inklusion praktisch um. Der erfolgreichste Sportler der Abteilung ist der kleinwüchsige Niko Kappel, der an diesem Abend für seinen diesjährigen Juniorenweltmeistertitel im Kugelsoßen geehrt wurde.

 

Vielfalt und Abwechslung

 

Mit der Percussion-Gruppe, die beim Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert" den zweiten Platz belegte, steuerte Niko Kappel einen schlagkräftigen Programmpunkt bei. Fasziniert begutachteten die Besucher die Ausstellung "Leichtathletik im Pappkarton". Um die einhundert Schuhkartons wurden von Abteilungsmitgliedern mit ihren persönlichen Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen künstlerisch und sehr kreativ gestaltet.

 

Der Olympiasieger von nebenan

 

Als Hauptprogrammakteur des Abends luden die Leichtathleten Dieter Baumann ein. Er wurde 1992 sensationell Olympiasieger über 5000 m in Barcelona. Dass er nicht nur schnelle Beine, sondern auch eine flinke Zunge hat, bewies er mit seinem Kabarettprogramm "Körner, Currywurst und Kenia". So mancher Gast wurde spontan und unfreiwillig ins Programm einbezogen, was zur großen Erheiterung des Publikums beitrug. Baumann deckte auf, dass Landtagsabgeordnete gute Läufer sein müssen, denn schließlich haben sie viel Zeit. Und ihre abendliche Sauferei kostet sie bei einem neunmaligen Training in der Woche auch keine Lebenszeit, sondern erhöht diese sogar.

 

Olympiavorbereitung mit Tankwart

 

Seine Erlebnisse und Geschichten erzählt Baumann so lebhaft, dass man meinen könnte, dabei gewesen zu sein. Auch wenn seine Oma stets meinte, dass der Bub die Springerei hätte lassen sollen, begab sich Baumann zum Training nach Kenia, wo er, der "weiße Kenianer", auf eine völlig andere Laufwelt traf. Während seiner Olympiavorbereitung begleitete ihn regelmäßig der Tankwart eines kenianischen Bergdorfes, der Feierabend hatte und mehrere Kilometer nach Hause joggte. Kuriositäten begegneten Baumann aber nicht nur in Kenia, sondern auch in seiner heutigen Heimat in Tübingen. Regelmäßig muss er sich rechtfertigen, wenn er Aufzüge, Rolltreppen oder Taxis in Anspruch nimmt. Seiner Meinung nach sind aber diese Bequemlichkeiten nur für Läufer da, die eben auch Regenerationsphasen einlegen müssen. Daher schickt der "Zahnpasta-Man" auch Leute wieder aus dem Aufzug. Dieter Baumann hat es geschafft, dass seine sportlichen Leistungen selbst im Schwabenland als Arbeit angesehen werden, aber vor allem hat er es an diesem Jubiläumsabend der TSF-Leichtathleten geschafft, die Zuschauer mit seiner empathischen und schwäbisch herzlichen Art zum Lachen zu bringen.

 

Info: Die Ausstellung "Leichtathletik im Pappkarton" wird in der Welzheimer Innenstadt an der Ecke Schorndorfer Straße / Gemeindehausstraße in den kommenden Wochen im Schaufenster zu sehen sein.

 

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